Wie sehr einem die Weißwurst fehlen kann…

Viele Semester lang gab es an unserer Hochschule eine Tradition:

Am Donnerstag in der Prüfungswoche bereitete die Fachschaft Theologie ein Weißwurstfrühstück für alle Theo-Studenten und Dozenten vor, um so das Semester gemeinsam ausklingen zu lassen. Egal ob vor oder nach der Prüfung, ob mit Weißwurst oder Brezel, ob Fachschaft oder Theo-Normal-Student – jeder konnte vorbeikommen um das Semester Revue passieren zu lassen, sich über die furchtbar komplizierte Prüfung zu beschweren, sich auszuweinen über schlechte Noten oder sich die Angst nehmen zu lassen vor dem, was noch bevor stand.

Ja, das Weißwurstfrühstück war mehr als nur eine Mahlzeit. Doch die vielen Umstrukturierungsphasen der letzten Semester, die Höhen und Tiefen durch welche die Fachschaft gehen musste, führten dazu, dass das Weißwurstfrühstück abgeschafft wurde. Man mag es kaum glauben, aber irgendwas fehlt jetzt. Es gab irgendwie kein richtiges Ende.

Ich konnte mich nicht mit den Studenten freuen, die trotz anfänglicher Panikattacken mit guten Noten aus den mündlichen Prüfungen kamen. Ich konnte denen, die bald ihre Exegese schreiben, keine Tipps geben. Ich konnte nicht privat mit den Dozenten zusammensitzen und von den neuesten Neuigkeiten aus meinem Leben berichten. Ich konnte nicht mit denen leiden, die durch eine wichtige Prüfung gefallen sind und jetzt vielleicht das Studium aufgeben müssen. Ich konnte nicht Abschied nehmen von denen, die nur noch die Examensprüfungen vor sich haben und dann vielleicht für immer aus meinem Leben verschwinden.

Keiner hätte je gedacht, dass ein Weißwurstfrühstück so wichtig sein kann. Den Mitgliedern der Fachschaft kann nur vollstes Verständnis entgegengebracht werden. Keiner von uns musste jemals neben seinen oder ihren Prüfungen noch ein gemeinsames Essen für so viele Personen vorbereiten. Doch die Hoffnung auf einen gemeinsamen Semesterabschluss in den kommenden Semestern mag ich trotzdem noch nicht aufgeben. Alte Traditionen müssen manchmal abgelegt werden um etwas neues auszuprobieren. Und so wie die Theo-Erdbeerbowle die Theo-Reispfanne beim Sommerfest der Hochschule mehr als erfolgreich abgelöst hat, glaube ich, dass es eines Tages auch für das Theo-Weißwurstfrühstück einen mehr als würdigen Nachfolger gibt.

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Weihnachtsmarkt, Glühwein und Co.

1 Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da.Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen.Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr.Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut.Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maße.Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan.Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt’s dem Speisemeister! Und sie brachten’s ihm. […]“ Joh 2,1-8f
Wie die Geschichte ausgeht, wissen wohl die meisten bereits. Anstatt der trinkwütigen Meute einen Strich durch die Rechnung zu machen und von nun an Wasser zu verteilen, verwandelt Jesus das Wasser in Wein. So eine Hochzeit war vor 2000 Jahren schon eine enorme Angelegenheit und Getränke gab es in Hülle und Fülle. Dass der Wein ausgegangen war, bedeutete also vermutlich, dass die Hochzeitsgäste tatsächlich über ihren Durst getrunken hatten.
Ähnlich wenig Zurückhaltung im Konsum alkoholischer Getränke legen Menschen im 21. Jahrhundert an den Tag – auch Theologiestudierende. Einen wunderbaren Anlass dazu bietet – alle Jahre wieder – der Weihnachtsmarkt. Die Bandbreite an Glühweinsorten ist beinahe grenzenlos. Von weiß, rosé und rot bis Apfel-Zimt- und Holunder-Ingwer-Glühwein ist alles dabei was das Herz begehrt.
Viele Studierende verbringen die Adventswochenenden mit ihren Familien, weshalb meine Kommillitonen und ich dem Weihnachtsmarkt werktags einen Besuch abstatteten. Zu schade, dass dieser unter der Woche schon relativ früh schließt. Kein Problem für uns: im Supermarkt haben wir uns noch mit allerlei geistvernebelnden Köstlichkeiten eingedeckt und in privaten Räumlichkeiten weiter-genossen.
Wie üblich wird bei solchen Aktionen auch immer der innere, philosophische Geist wachgeküsst. In unserem Fall war es wohl eher der theologische. Wir begannen über Religionen, Ethik und Wahrheit nachzudenken. Fragen zu Jesus, unseren theologischen Ansichten und unserem persönlichen Glauben standen nun im Raum. Glaubt es oder nicht, aber es hat mich tatsächlich überrascht und fasziniert, dass wir ausgerechnet an diesem Abend begannen über unsere tiefsten Überzeugungen nachzudenken.
Wer weiß, vielleicht ist Alkohol nicht immer nur ein Geistvernebler. Möglicherweise lüftet er auch manchmal den Schleier, der das Wesentliche in unserem Leben verdeckt.
Falls ihr also gerade noch im Vorweihnachtsstress seid, Geschenke besorgen müsst oder von einer Weihnachtsfeier auf die nächste hetzt, dann denkt daran:
Die Welt dreht sich auch weiter wenn nicht alles perfekt vorbereitet ist, wenn die Geschenke nicht so teuer sind wie im Vorjahr und wenn eine Weihnachtsfeier ausnahmsweise ohne euch stattfindet.
Joseph war sehr weit von Perfektion entfernt, als er mit seiner hochschwangeren Frau, nach einer strapaziösen Reise und ohne Aussicht auf Unterkunft in Bethlehem ankam. Vielleicht tragen wir das Erbe des ersten Weihnachtsfestes auch noch bis heute mit uns herum.
Die gute Nachricht ist: wir haben, im Gegensatz zu Maria und Josef, die freie Wahl. Nehmt euch als ruhig Zeit für einen Glühwein (oder zwei), genießt einen Abend mit euren Freunden und Familien. Reflektiert, philosophiert, diskutiert. Womöglich ist es die Gelegenheit die alles entscheidende Frage zu klären:
Warum feiere ICH Weihnachten!?

Heute ist ein guter Tag um am Leben zu sein

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Gestern war der Welttag der Dankbarkeit. Eigentlich halte ich nicht so viel von solchen ‚Thementagen‘ (ich sag nur: Welttag der Jogginghose…), aber bei dieser Überschrift musste ich dann doch kurz nachdenken.

Wir rennen jeden Tag in unserem Rädchen und Ziele zu erreichen, von denen wir denken, dass sie unser Leben mit Glück erfüllen. Manchmal sehen wir dann vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr, vor allem in Zeiten in denen wir sehr gestresst sind. Da ist es doch sinnvoll einmal inne zu halten und sich zu überlegen wie gut man es denn hat unter all diesen Plänen und Träumen, die einen manchmal zu erdrücken scheinen.

Dankbar zu sein dafür, überhaupt Ziele haben zu können und träumen zu dürfen. Dankbar für die großen Dinge wie Gesundheit, Freunde, Familie, oder auch die kleinen Dinge, wie es sich leisten zu können in einem Restaurant essen zu gehen. Ob man nun Gott dankt (oder Allah oder JHWH oder Agni…) oder einfach schlichte Dankbarkeit empfindet und sich seines Lebens erfreut ist zunächst egal. Bedeutsam ist es nur sich ab und an bewusst zu machen, dass es nicht selbstverständlich ist wie gut es uns geht. Manchmal sollten wir einfach mehr danken – und weniger bitten.

Und zum Abschluss noch etwas Biblisches: Give thanks in all circumstances; for this is God’s will for you in Christ Jesus (1 Thess 5,18)

The ultimate goal…

Anschläge, Tod, Gewalt, Waffen, Hass – Wörter die wir nicht unbedingt unserer westlichen, modernen, zivilisierten Gesellschaft zuordnen würden. Die Gefahr kommt von Außen. Von Anderen. Von(m) Fremden. Wir schotten uns ab, gehen nicht auf Menschen zu, schauen sie nicht an, vermuten gefährliche Machenschaften.

Ein Mann ließ letzte Woche seine große Tasche am Bahnsteig stehen und ging ins Bahnhofsgebäude weiter. Ich überlegte mir misstrauisch was das jetzt ist – und lief im Eilschritt davon während ich darüber nachdachte ob ich die Polizei rufen soll. Vom anderen Ende des Bahnsteigs sah ich kurz darauf, dass der Mann zurück kam. Mit einer Brezel in der Hand.

Die Frage ist: Wie gehe ich um mit diesem Misstrauen? Mit dieser Angst vor dem Anderen, ausgelöst durch Unkenntnis? Mit dieser Fremden Gefahr… Die Antwort vieler Deutscher ist heute in den Wahlergebnissen zu finden. Das Spektrum vieler verängstiger Wähler reicht von Konservativ zu Extrem. Flüchtlinge raus, Merkel weg, der Islam gehört nicht zu Deutschland – aber traditionell sind wir schon. Christliche Werte – OK.

Eine Aufgabe, die jedes Mal in der Reli-Klausur der Oberstufe vorkam, war:  Wenn dich deine neunjährige Schwester fragen würde was […] ist, wie würdest du ihr das erklären? Wenn also Versuchen auf diese Art und Weise, die Frage zu beantworten, die zentral ist für unseren christlichen Glauben: „Was ist die zentrale Botschaft Jesu?“, könnten wir an unserem Verhalten eventuell einiges zu kritisieren finden.

Kurz und knapp lässt sich das auf zwei Begriffe komprimieren: Gottesliebe und Feindesliebe. Offensichtlich würde das meine kleine Schwester eher weniger verstehen. Wenn ich ihr nun erklären würde, dass Jesus von uns nicht wollte, dass wir uns an alles ganz genau halten was in der Bibel steht, sondern dass ihm vor allem wichtig war, dass wir auch die Menschen lieb haben, die manchmal auch nicht so nett zu uns sind, vielleicht schon eher. Auch dass wir dabei Gott nicht vergessen sollten, für den alle Menschen und Tiere gleich wichtig sind, weil er ja alle Lebewesen geschaffen hat, würde sie mit Sicherheit nachvollziehen können. Und Jesus als der der alle Menschen liebt, egal wie sie sind und woher sie kommen, auch das versteht sie. Die Frage ist nur, warum können das so viele Christinnen und Christen in unsere heutigen Gesellschaft nicht? Menschen, die die Bibel eingehend gelesen haben und wissen was darin steht? Menschen die meinen, dass wir, weil es heißt „Kehrt um [wörtlich eigentlich denkt um] und glaubt an das Evangelium“ (Mk 1,15), Menschen mit anderem Glauben verstoßen und in ihrer Not nicht helfen sollen  – und uns vor einer ‚Islamisierung Deutschlands‘ schützen?

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Was heißt es nun umzudenken und an das Evangelium, die Frohe Botschaft Jesu zu glauben? Jesus setzt sich ein für Ausgestoßene, für Marginalisierte, für Menschen am Rande der Gesellschaft. Jesus, unser Weg zu Gott, soll unser Vorbild sein – und nicht nur das. Wie eine Freundin vor kurzem zu mir sagte, als ich mich wunderte weshalb sie alle Menschen begrüßte als wären sie ihre Totgeglaubten und wiedergefundenen Geschwister: „In jedem Menschen kann uns Jesus begegnen“. Und sie hat recht. Unsere Prüfung muss nicht der Bettler sein, der an unserer Haustüre klingelt. Was wir tun sollten, ist jedem Menschen Liebe zu geben – egal wer er ist. Aber auch zu verzeihen und neue Chancen zu geben, nicht zu Pauschalisieren und alle in einen Topf zu stecken. Gerade im gegenwärtigen Klima ist das so wichtig, denn Hass schürt Hass. Aus Bösem kommt Böses. Und Tod führt zu Tod.

Menschen zu bekämpfen und auszustoßen, die nichts für den Kultur-, Religions- oder Sprachkreis können, aus dem sie kommen – Menschen die zufällig in einem anderen Blumentopf geboren wurden als wir zarten Pflänzchen, die wir zu Mitgliedern einer der reichsten Nationen der Welt gehören – davon haben wir nichts. Davon verschwindet weder Terrorismus noch Angst noch Tod aus unserem Leben. Es gibt nur immer mehr davon. Um ein tragisches Beispiel dieses Jahrhunderts zu wählen: Was wäre wohl passiert, wenn wir anstatt die ‚Achse des Bösen‘ mit Waffengewalt zu bekämpfen an den Problemen der MENSCHEN angesetzt hätten und versucht hätten sie darin zu unterstützen ihre Situation zu verbessern?

Ich bin der festen Überzeugung, dass Gutes zurück kommt, wenn man Gutes in die Welt gibt. Vielleicht nicht heute oder morgen, vielleicht auch nicht an uns direkt. Aber irgendwie wird sich irgendwo etwas verändern und vielleicht sind wir der Ausschlag dafür.

ÜBRIGENS: Bald geht das neue Semester los! Ab dann findet ihr wieder jede Woche das neue „Meme der Woche“ an der Türe des Theo-Tuts.

Onlineutopie

Vor kurzem habe ich online einen post gelesen, indem jemand folgende Frage stellte: „Wenn es ein Ding auf der Welt gäbe, das ihr abschaffen könntet, welches wäre es? Meins wäre Religion.“

Diese Person hätte tausend Dinge nennen können. Gewalt zum Beispiel… oder Hass, Wut, Ärger, Trauer, Schmerz, Neid, Egoismus den Tod. Aber sie hat sich ausgerechnet für die Religion entschieden. Natürlich ist das irgendwie verständlich im Zusammenhang mit all der Gewalt die momentan im Name von Religion ausgeübt wird – heute ist es der IS unter dem Deckmantel des Islam, vor einigen hundert Jahren waren es die Kreuzzüge mit der Berufung auf den Wunsch des christlichen Gottes. Die wichtige Frage ist aber: wenn es tatsächlich einen Gott gibt, der allmächtig ist und der alles geschaffen hat was auf dieser Erde kreucht und fleucht (wovon ich persönlich ausgehe), warum sollte er dann einem kleinen Völkchen oder Grüppchen die ultimative Wahrheit, das ultimative Auserwähltsein und den einzigartigen Auftrag geben, alle anderen zu bekehren oder umzubringen?

Und noch ein anderer Punkt: die Religionen, die heute auf der Erde vorherrschen sind nicht der Grund  für Gewalt – sie sind die schlechte Begründung dafür. Das Christentum proklamiert zwei Dinge, die Jesus auf den Punkt bringt: Gottesliebe (aka Monotheismus) und Nächstenliebe (ja sogar Feindesliebe). Das Judentum hat mit dem Christentum das Alte Testament gemein und auch hier finden sich (vor allem durch die ProphetInnen vertreten) dieselben zwei Forderungen. Die Glaubensgrundlagen des Islam beinhalten unter anderem das Glaubensbekenntnis (mit dem Bekenntnis zu dem EINEN Gott), das Fasten, bei dem man sich durch den Verzicht auch daran erinnern soll, wie gut man es hat und das Almosengeben. Auch der Buddhismus (um nicht nur die uns geläufigen Religionen zu nennen) beschäftigt sich damit, das Leiden auf der Welt zu überwinden. Also – worin liegt hier die Gewalt? mit Sicherheit herrscht in jedem der drei schriftlichen Glaubensgrundlagen der Buchreligionen ein inhärentes Gewaltpotenzial. Die Frage ist nur wie wir damit umgehen. Sehen wir darin ein unter den jeweiligen Zeitumständen geschriebenes Dokument – Gotteswort in Menschenwort – oder suchen wir uns selektiv diejenigen Bibel/Koran/Tora-Stellen heraus, die uns gerade Recht sind und unserem Zweck dienen?

Man kann im Christentum das eine Verhalten mit einer Bibelstelle belegen und das gegenteilige Verhalten mit einer anderen. Und auch wenn  ich kein versierter Islamexperte bin weiß ich doch, dass es an der einen Stelle im Koran (an Christen und Juden gewendet) heißt: unser Gott und euer Gott ist einer – an einer anderen jedoch, man solle alle Ungläubigen töten. Wenn wir uns aber nun nicht zu 100% auf unser schriftliches Glaubenszeugnis verlassen können, worauf dann? Meine Antwort darauf wäre, sich immer die Frage zu stellen, ob unser Verhalten näher hin zu Gemeinschaft und gutem Miteinander führt oder eben weg davon. Wenn es zweiteres ist, kann ich persönlich nicht Glauben, dass das der Wille Gottes sein kann. Wenn der eine Gott ein gerechter Gott ist, würde er nicht wollen, dass wir uns gegenseitig verletzen oder gar umbringen. Wenn es ein liebender Gott ist, würde er von uns verlangen, unser bestes für Frieden, Harmonie und Solidarität zu geben. In diesem Fall ist dann Religion auch nicht der Grund für schlimme Dinge auf der Welt, sondern für das Gute – das wofür unsere ProphetInnen gekämpft haben: Gerechtigkeit.

„Du studierst doch Arbeitslosigkeit!“

„Du studierst doch Arbeitslosigkeit“ – das ist ein Satz der kurz und bündig zusammenfasst, was mir in der Auseinandersetzung mit Menschen immer wieder begegnet, wenn ich von meinem Studienfach erzähle. Egal ob es innerhalb der Familie, in Unterhaltung mit Fremden Menschen auf Campingplätzen oder mit Kommilitonen ist, für die Theologie nicht einmal Wert ist Wissenschaft genannt zu werden.

Die spannendere Frage ist aber eher, wie man mit solchen Aussagen umgehen sollte. Manchmal habe ich ehrlich gesagt garkeine Lust mich mit Menschen auseinanderzusetzen, die sich nichteinmal bemühen einen anderen Standpunkt als den ihren verstehen zu wollen.

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Ein Beispiel (besagter Diskussionspartner auf dem Campingplatz, 20 Jahre alt, Metzger von Beruf): Als ich gefragt wurde, was ich denn studieren würde und im Anschluss nur die Aussage kam „so ein Quatsch, das ist doch sinnlos,…“ (und ähnliches), fragte ich ihn warum er das den denken würde. Darauf konnte er mir leider keine sinnvolle Antwort geben. Auf meine Frage, was er denn denke wie ein Theologiestudium aussehen würde, meinte er „Ihr macht doch den ganzen Tag nichts“ „Du denkst wir sitzen nur rum und machen garnichts?“ „Ja“ – an dieser Stelle habe ich  mich dann tatsächlich dem nichts tun hingegeben und damit war die Diskussion für mich auch beendet.

Natürlich verhält sich nicht jeder Gesprächspartner so. Viele sind interessiert und es kommen spannende Unterhaltungen zustande – über Gott und die Welt (im wahrsten Sinne der Redewendung). Das geht allerdings nur, wenn beide Seiten auch offen dafür sind. Mir begegnen ehrlich gesagt öfters Atheisten die mich missionieren wollen, als ich jemals missionierende Christen erlebt habe. Egal aus welcher Richtung kann mit einem Menschen mit fundamentalistischer Position keine sinnvolle Auseinandersetzung entstehen. Das ist in vielen Momenten natürlich schade.

Wenn man hingegen auf jemanden trifft der einem begeistert zuhört und dessen Meinung auch begründet, reflektiert und nachvollziehbar ist, ist ein spannender Erkenntnisaustausch garantiert und man kann oft seine eigene Position von einer Außenperspektive betrachtet wahrnehmen, die einem vorher garnicht zugänglich war. Deshalb ist interreligiöser Dialog zwischen ‚atheistisch Gläubigen‘ und ‚religiös Gläubigen‘ oft noch spannender als nur zwischen den Religionen, da die Standpunkte meist noch grundverschiedener sind. Doch aus diesen Unterhaltungen kann fast nur Gutes entstehen.

Interessiert sich Gott eigentlich für Fußball?

Bildergebnis für beten fußball em (http://www.br.de/nachrichten/fussball-em-arbeitsrecht-100.html)

Fußball EM 2016, der Weltmeister Deutschland stand auf dem Prüfstand. Mehr als jede(r) Dritte Deutsche schaute sich die Spiele im TV an. Es wurde geschrien und geschimpft, gejubelt und geweint. In den Stadien noch mehr als auf dem Sofa.

Letzten Samstag gab es das Zitterspiel: Deutschland gegen Italien, unseren Angstgegner. 28 Millionen Deutsche haben das Spiel zu Hause verfolgt. Spätestens beim Elfmeterschießen saß mit Sicherheit die Hälfte davon vor dem Fernseher und hat gesagt „Bitte, bitte bitte“, und das unabhängig vom Glauben, bestimmt auch bei Nichtgläubigen.

Jedenfalls bekam ich nach dem Spiel die Nachricht einer Freundin, dass sie für den Sieg Deutschlands gebetet habe, bis ihr eingefallen sei, dass die Italiener ja besonders gläubig seien und diese sicher auch sehr viel gebetet hätten. Doch was bedeutet das denn für das Spiel? Gewinnt am Ende die Mannschaft, bei denen die Meisten Fans dafür gebetet haben? Interessiert sich Gott überhaupt für Fußball? Und falls ja, für wen ist er eigentlich?

In dieser Überlegung spiegelt sich die Frage wieder, was denn der Sinn vom Beten ist. Ist es der Versuch über Gott zu verfügen? Zum Beispiel, ein Kind: „Lieber Gott, mach dass der Lehrer mir eine gute Note gibt.“ Gebe ich im Gebet Gott einen Arbeitsauftrag, eine Anweisung? Kann ich sauer auf ihn sein, wenn er mir meine Wünsche nicht erfüllt? Wenn ich mir etwas wünsche und jemand anders das Gegenteil, auf wen hört Gott dann? Und warum hört er nicht auf die Gebete aller Menschen?