Nächstenliebe im Hochschulalltag

Wer die katholischen und evangelischen Dozierenden unserer Hochschule kennt, der weiß, wie engagiert sie sich für ihre Studierenden einsetzen. Das gilt natürlich auch für viele Dozierende anderer Fächer. Dennoch möchte ich nun über etwas berichten, das mir diese speziellen Menschen neu in Erinnerung gerufen haben.

Das Wort Nächstenliebe wird in unseren Kreisen ziemlich häufig gebraucht. Wer auch nur ein Mensch ist – so wie ich – dem ist klar, dass es nicht nur schwer, sondern beinahe unmöglich ist, jeden Menschen zu lieben. Vielleicht ist unser deutscher Wortschatz auch einfach zu begrenzt, sodass wir die Bedeutung von Nächstenliebe nur bedingt fassen können. Das allein macht die Umsetzung in der Realität oft schwierig.

In Markus 12,28ff lesen wir vom Doppelgebot der Liebe:

28 Einer der Schriftgelehrten hatte diesem Streitgespräch zugehört und gesehen, wie gut Jesus den Sadduzäern geantwortet hatte. Nun trat er näher und fragte ihn: »Welches ist das wichtigste von allen Geboten?« 29 Jesus antwortete: »Das wichtigste Gebot ist: ›Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der alleinige Herr. 30 Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe, mit deinem ganzen Verstand und mit aller deiner Kraft!‹ 31 An zweiter Stelle steht das Gebot: ›Liebe deine Mitmenschen wie dich selbst!‹ Kein Gebot ist wichtiger als diese beiden.«

Im griechischen Urtext findet man anstelle unseres Wortes „Liebe“ das Wort Agape. Um es mit einfachen Worten (aus Wikipedia und Wiktionary) auszudrücken: Agape ist die reine, selbstlose, uneigennützige und von Gott inspirierte Liebe.

Ein ziemlicher Knaller, wenn ihr mich fragt. Ich kann meine Freunde und Familie kaum in dieser Form lieben. Besonders bei Freunden ist die Liebe oft von Gegenseitigkeit abhängig. Wie genau soll ich das dann für Bekannte, Nachbarn oder völlig Fremde umsetzen?

Und genau an dieser Stelle fallen mir wieder unsere Dozierenden ein. Obwohl wir uns als Studierende häufig unangemessen verhalten, sei es durch Unaufmerksamkeit in den Seminaren, durch negative Gedanken oder Reden über sie oder andere respektlose Verhaltensweisen, beweisen sie uns immer wieder, Tag für Tag, Semester für Semester, die pure Nächstenliebe. Es könnte ihnen völlig egal sein, wie wir in den Prüfungen abschneiden. Sie könnten einfach einen Vortrag halten und dann wieder abziehen ohne auf unsere Fragen einzugehen. Stattdessen nehmen sie sich Zeit für uns, versuchen unsere Fragen zu beantworten, uns bei der Studienplanung zu helfen, beschenken uns mit Kleinigkeiten (nicht zur Erpressung, sondern um uns eine Freude zu machen), bieten sogar ihre Hilfe in anderen Bereichen des Studiums an (für die sie absolut nicht zuständig wären)… und das alles, ohne etwas zurückzubekommen.

Möglicherweise ist auch das noch nicht die reinste und selbstloseste Form der Agape. Wir werden sie in unserer emotionalen und physischen Begrenztheit auch nie erreichen. Aber schon der Fakt, dass es Menschen gibt, die einen Bruchteil dieser Liebe in sich tragen und an andere Menschen weitergeben, die sie eigentlich nicht näher kennen, lässt mich stark hoffen.

Warum mir das so wichtig ist? Der Studienalltag kann durchaus stressig sein. So schön wie das Studentenleben ist: Prüfungen, Abgabetermine und Leistungsnachweise können Studierende unter Umständen an Grenzen bringen. Diese gelebte Nächstenliebe ändert zwar nichts an den Umständen, sie kann aber die Ängste und den Stress in unseren Köpfen erträglicher machen.

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Heute ist ein guter Tag um am Leben zu sein

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Gestern war der Welttag der Dankbarkeit. Eigentlich halte ich nicht so viel von solchen ‚Thementagen‘ (ich sag nur: Welttag der Jogginghose…), aber bei dieser Überschrift musste ich dann doch kurz nachdenken.

Wir rennen jeden Tag in unserem Rädchen und Ziele zu erreichen, von denen wir denken, dass sie unser Leben mit Glück erfüllen. Manchmal sehen wir dann vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr, vor allem in Zeiten in denen wir sehr gestresst sind. Da ist es doch sinnvoll einmal inne zu halten und sich zu überlegen wie gut man es denn hat unter all diesen Plänen und Träumen, die einen manchmal zu erdrücken scheinen.

Dankbar zu sein dafür, überhaupt Ziele haben zu können und träumen zu dürfen. Dankbar für die großen Dinge wie Gesundheit, Freunde, Familie, oder auch die kleinen Dinge, wie es sich leisten zu können in einem Restaurant essen zu gehen. Ob man nun Gott dankt (oder Allah oder JHWH oder Agni…) oder einfach schlichte Dankbarkeit empfindet und sich seines Lebens erfreut ist zunächst egal. Bedeutsam ist es nur sich ab und an bewusst zu machen, dass es nicht selbstverständlich ist wie gut es uns geht. Manchmal sollten wir einfach mehr danken – und weniger bitten.

Und zum Abschluss noch etwas Biblisches: Give thanks in all circumstances; for this is God’s will for you in Christ Jesus (1 Thess 5,18)