Heute ist ein guter Tag um am Leben zu sein

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Gestern war der Welttag der Dankbarkeit. Eigentlich halte ich nicht so viel von solchen ‚Thementagen‘ (ich sag nur: Welttag der Jogginghose…), aber bei dieser Überschrift musste ich dann doch kurz nachdenken.

Wir rennen jeden Tag in unserem Rädchen und Ziele zu erreichen, von denen wir denken, dass sie unser Leben mit Glück erfüllen. Manchmal sehen wir dann vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr, vor allem in Zeiten in denen wir sehr gestresst sind. Da ist es doch sinnvoll einmal inne zu halten und sich zu überlegen wie gut man es denn hat unter all diesen Plänen und Träumen, die einen manchmal zu erdrücken scheinen.

Dankbar zu sein dafür, überhaupt Ziele haben zu können und träumen zu dürfen. Dankbar für die großen Dinge wie Gesundheit, Freunde, Familie, oder auch die kleinen Dinge, wie es sich leisten zu können in einem Restaurant essen zu gehen. Ob man nun Gott dankt (oder Allah oder JHWH oder Agni…) oder einfach schlichte Dankbarkeit empfindet und sich seines Lebens erfreut ist zunächst egal. Bedeutsam ist es nur sich ab und an bewusst zu machen, dass es nicht selbstverständlich ist wie gut es uns geht. Manchmal sollten wir einfach mehr danken – und weniger bitten.

Und zum Abschluss noch etwas Biblisches: Give thanks in all circumstances; for this is God’s will for you in Christ Jesus (1 Thess 5,18)

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The ultimate goal…

Anschläge, Tod, Gewalt, Waffen, Hass – Wörter die wir nicht unbedingt unserer westlichen, modernen, zivilisierten Gesellschaft zuordnen würden. Die Gefahr kommt von Außen. Von Anderen. Von(m) Fremden. Wir schotten uns ab, gehen nicht auf Menschen zu, schauen sie nicht an, vermuten gefährliche Machenschaften.

Ein Mann ließ letzte Woche seine große Tasche am Bahnsteig stehen und ging ins Bahnhofsgebäude weiter. Ich überlegte mir misstrauisch was das jetzt ist – und lief im Eilschritt davon während ich darüber nachdachte ob ich die Polizei rufen soll. Vom anderen Ende des Bahnsteigs sah ich kurz darauf, dass der Mann zurück kam. Mit einer Brezel in der Hand.

Die Frage ist: Wie gehe ich um mit diesem Misstrauen? Mit dieser Angst vor dem Anderen, ausgelöst durch Unkenntnis? Mit dieser Fremden Gefahr… Die Antwort vieler Deutscher ist heute in den Wahlergebnissen zu finden. Das Spektrum vieler verängstiger Wähler reicht von Konservativ zu Extrem. Flüchtlinge raus, Merkel weg, der Islam gehört nicht zu Deutschland – aber traditionell sind wir schon. Christliche Werte – OK.

Eine Aufgabe, die jedes Mal in der Reli-Klausur der Oberstufe vorkam, war:  Wenn dich deine neunjährige Schwester fragen würde was […] ist, wie würdest du ihr das erklären? Wenn also Versuchen auf diese Art und Weise, die Frage zu beantworten, die zentral ist für unseren christlichen Glauben: „Was ist die zentrale Botschaft Jesu?“, könnten wir an unserem Verhalten eventuell einiges zu kritisieren finden.

Kurz und knapp lässt sich das auf zwei Begriffe komprimieren: Gottesliebe und Feindesliebe. Offensichtlich würde das meine kleine Schwester eher weniger verstehen. Wenn ich ihr nun erklären würde, dass Jesus von uns nicht wollte, dass wir uns an alles ganz genau halten was in der Bibel steht, sondern dass ihm vor allem wichtig war, dass wir auch die Menschen lieb haben, die manchmal auch nicht so nett zu uns sind, vielleicht schon eher. Auch dass wir dabei Gott nicht vergessen sollten, für den alle Menschen und Tiere gleich wichtig sind, weil er ja alle Lebewesen geschaffen hat, würde sie mit Sicherheit nachvollziehen können. Und Jesus als der der alle Menschen liebt, egal wie sie sind und woher sie kommen, auch das versteht sie. Die Frage ist nur, warum können das so viele Christinnen und Christen in unsere heutigen Gesellschaft nicht? Menschen, die die Bibel eingehend gelesen haben und wissen was darin steht? Menschen die meinen, dass wir, weil es heißt „Kehrt um [wörtlich eigentlich denkt um] und glaubt an das Evangelium“ (Mk 1,15), Menschen mit anderem Glauben verstoßen und in ihrer Not nicht helfen sollen  – und uns vor einer ‚Islamisierung Deutschlands‘ schützen?

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Was heißt es nun umzudenken und an das Evangelium, die Frohe Botschaft Jesu zu glauben? Jesus setzt sich ein für Ausgestoßene, für Marginalisierte, für Menschen am Rande der Gesellschaft. Jesus, unser Weg zu Gott, soll unser Vorbild sein – und nicht nur das. Wie eine Freundin vor kurzem zu mir sagte, als ich mich wunderte weshalb sie alle Menschen begrüßte als wären sie ihre Totgeglaubten und wiedergefundenen Geschwister: „In jedem Menschen kann uns Jesus begegnen“. Und sie hat recht. Unsere Prüfung muss nicht der Bettler sein, der an unserer Haustüre klingelt. Was wir tun sollten, ist jedem Menschen Liebe zu geben – egal wer er ist. Aber auch zu verzeihen und neue Chancen zu geben, nicht zu Pauschalisieren und alle in einen Topf zu stecken. Gerade im gegenwärtigen Klima ist das so wichtig, denn Hass schürt Hass. Aus Bösem kommt Böses. Und Tod führt zu Tod.

Menschen zu bekämpfen und auszustoßen, die nichts für den Kultur-, Religions- oder Sprachkreis können, aus dem sie kommen – Menschen die zufällig in einem anderen Blumentopf geboren wurden als wir zarten Pflänzchen, die wir zu Mitgliedern einer der reichsten Nationen der Welt gehören – davon haben wir nichts. Davon verschwindet weder Terrorismus noch Angst noch Tod aus unserem Leben. Es gibt nur immer mehr davon. Um ein tragisches Beispiel dieses Jahrhunderts zu wählen: Was wäre wohl passiert, wenn wir anstatt die ‚Achse des Bösen‘ mit Waffengewalt zu bekämpfen an den Problemen der MENSCHEN angesetzt hätten und versucht hätten sie darin zu unterstützen ihre Situation zu verbessern?

Ich bin der festen Überzeugung, dass Gutes zurück kommt, wenn man Gutes in die Welt gibt. Vielleicht nicht heute oder morgen, vielleicht auch nicht an uns direkt. Aber irgendwie wird sich irgendwo etwas verändern und vielleicht sind wir der Ausschlag dafür.

ÜBRIGENS: Bald geht das neue Semester los! Ab dann findet ihr wieder jede Woche das neue „Meme der Woche“ an der Türe des Theo-Tuts.

Onlineutopie

Vor kurzem habe ich online einen post gelesen, indem jemand folgende Frage stellte: „Wenn es ein Ding auf der Welt gäbe, das ihr abschaffen könntet, welches wäre es? Meins wäre Religion.“

Diese Person hätte tausend Dinge nennen können. Gewalt zum Beispiel… oder Hass, Wut, Ärger, Trauer, Schmerz, Neid, Egoismus den Tod. Aber sie hat sich ausgerechnet für die Religion entschieden. Natürlich ist das irgendwie verständlich im Zusammenhang mit all der Gewalt die momentan im Name von Religion ausgeübt wird – heute ist es der IS unter dem Deckmantel des Islam, vor einigen hundert Jahren waren es die Kreuzzüge mit der Berufung auf den Wunsch des christlichen Gottes. Die wichtige Frage ist aber: wenn es tatsächlich einen Gott gibt, der allmächtig ist und der alles geschaffen hat was auf dieser Erde kreucht und fleucht (wovon ich persönlich ausgehe), warum sollte er dann einem kleinen Völkchen oder Grüppchen die ultimative Wahrheit, das ultimative Auserwähltsein und den einzigartigen Auftrag geben, alle anderen zu bekehren oder umzubringen?

Und noch ein anderer Punkt: die Religionen, die heute auf der Erde vorherrschen sind nicht der Grund  für Gewalt – sie sind die schlechte Begründung dafür. Das Christentum proklamiert zwei Dinge, die Jesus auf den Punkt bringt: Gottesliebe (aka Monotheismus) und Nächstenliebe (ja sogar Feindesliebe). Das Judentum hat mit dem Christentum das Alte Testament gemein und auch hier finden sich (vor allem durch die ProphetInnen vertreten) dieselben zwei Forderungen. Die Glaubensgrundlagen des Islam beinhalten unter anderem das Glaubensbekenntnis (mit dem Bekenntnis zu dem EINEN Gott), das Fasten, bei dem man sich durch den Verzicht auch daran erinnern soll, wie gut man es hat und das Almosengeben. Auch der Buddhismus (um nicht nur die uns geläufigen Religionen zu nennen) beschäftigt sich damit, das Leiden auf der Welt zu überwinden. Also – worin liegt hier die Gewalt? mit Sicherheit herrscht in jedem der drei schriftlichen Glaubensgrundlagen der Buchreligionen ein inhärentes Gewaltpotenzial. Die Frage ist nur wie wir damit umgehen. Sehen wir darin ein unter den jeweiligen Zeitumständen geschriebenes Dokument – Gotteswort in Menschenwort – oder suchen wir uns selektiv diejenigen Bibel/Koran/Tora-Stellen heraus, die uns gerade Recht sind und unserem Zweck dienen?

Man kann im Christentum das eine Verhalten mit einer Bibelstelle belegen und das gegenteilige Verhalten mit einer anderen. Und auch wenn  ich kein versierter Islamexperte bin weiß ich doch, dass es an der einen Stelle im Koran (an Christen und Juden gewendet) heißt: unser Gott und euer Gott ist einer – an einer anderen jedoch, man solle alle Ungläubigen töten. Wenn wir uns aber nun nicht zu 100% auf unser schriftliches Glaubenszeugnis verlassen können, worauf dann? Meine Antwort darauf wäre, sich immer die Frage zu stellen, ob unser Verhalten näher hin zu Gemeinschaft und gutem Miteinander führt oder eben weg davon. Wenn es zweiteres ist, kann ich persönlich nicht Glauben, dass das der Wille Gottes sein kann. Wenn der eine Gott ein gerechter Gott ist, würde er nicht wollen, dass wir uns gegenseitig verletzen oder gar umbringen. Wenn es ein liebender Gott ist, würde er von uns verlangen, unser bestes für Frieden, Harmonie und Solidarität zu geben. In diesem Fall ist dann Religion auch nicht der Grund für schlimme Dinge auf der Welt, sondern für das Gute – das wofür unsere ProphetInnen gekämpft haben: Gerechtigkeit.

„Du studierst doch Arbeitslosigkeit!“

„Du studierst doch Arbeitslosigkeit“ – das ist ein Satz der kurz und bündig zusammenfasst, was mir in der Auseinandersetzung mit Menschen immer wieder begegnet, wenn ich von meinem Studienfach erzähle. Egal ob es innerhalb der Familie, in Unterhaltung mit Fremden Menschen auf Campingplätzen oder mit Kommilitonen ist, für die Theologie nicht einmal Wert ist Wissenschaft genannt zu werden.

Die spannendere Frage ist aber eher, wie man mit solchen Aussagen umgehen sollte. Manchmal habe ich ehrlich gesagt garkeine Lust mich mit Menschen auseinanderzusetzen, die sich nichteinmal bemühen einen anderen Standpunkt als den ihren verstehen zu wollen.

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Ein Beispiel (besagter Diskussionspartner auf dem Campingplatz, 20 Jahre alt, Metzger von Beruf): Als ich gefragt wurde, was ich denn studieren würde und im Anschluss nur die Aussage kam „so ein Quatsch, das ist doch sinnlos,…“ (und ähnliches), fragte ich ihn warum er das den denken würde. Darauf konnte er mir leider keine sinnvolle Antwort geben. Auf meine Frage, was er denn denke wie ein Theologiestudium aussehen würde, meinte er „Ihr macht doch den ganzen Tag nichts“ „Du denkst wir sitzen nur rum und machen garnichts?“ „Ja“ – an dieser Stelle habe ich  mich dann tatsächlich dem nichts tun hingegeben und damit war die Diskussion für mich auch beendet.

Natürlich verhält sich nicht jeder Gesprächspartner so. Viele sind interessiert und es kommen spannende Unterhaltungen zustande – über Gott und die Welt (im wahrsten Sinne der Redewendung). Das geht allerdings nur, wenn beide Seiten auch offen dafür sind. Mir begegnen ehrlich gesagt öfters Atheisten die mich missionieren wollen, als ich jemals missionierende Christen erlebt habe. Egal aus welcher Richtung kann mit einem Menschen mit fundamentalistischer Position keine sinnvolle Auseinandersetzung entstehen. Das ist in vielen Momenten natürlich schade.

Wenn man hingegen auf jemanden trifft der einem begeistert zuhört und dessen Meinung auch begründet, reflektiert und nachvollziehbar ist, ist ein spannender Erkenntnisaustausch garantiert und man kann oft seine eigene Position von einer Außenperspektive betrachtet wahrnehmen, die einem vorher garnicht zugänglich war. Deshalb ist interreligiöser Dialog zwischen ‚atheistisch Gläubigen‘ und ‚religiös Gläubigen‘ oft noch spannender als nur zwischen den Religionen, da die Standpunkte meist noch grundverschiedener sind. Doch aus diesen Unterhaltungen kann fast nur Gutes entstehen.

Interessiert sich Gott eigentlich für Fußball?

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Fußball EM 2016, der Weltmeister Deutschland stand auf dem Prüfstand. Mehr als jede(r) Dritte Deutsche schaute sich die Spiele im TV an. Es wurde geschrien und geschimpft, gejubelt und geweint. In den Stadien noch mehr als auf dem Sofa.

Letzten Samstag gab es das Zitterspiel: Deutschland gegen Italien, unseren Angstgegner. 28 Millionen Deutsche haben das Spiel zu Hause verfolgt. Spätestens beim Elfmeterschießen saß mit Sicherheit die Hälfte davon vor dem Fernseher und hat gesagt „Bitte, bitte bitte“, und das unabhängig vom Glauben, bestimmt auch bei Nichtgläubigen.

Jedenfalls bekam ich nach dem Spiel die Nachricht einer Freundin, dass sie für den Sieg Deutschlands gebetet habe, bis ihr eingefallen sei, dass die Italiener ja besonders gläubig seien und diese sicher auch sehr viel gebetet hätten. Doch was bedeutet das denn für das Spiel? Gewinnt am Ende die Mannschaft, bei denen die Meisten Fans dafür gebetet haben? Interessiert sich Gott überhaupt für Fußball? Und falls ja, für wen ist er eigentlich?

In dieser Überlegung spiegelt sich die Frage wieder, was denn der Sinn vom Beten ist. Ist es der Versuch über Gott zu verfügen? Zum Beispiel, ein Kind: „Lieber Gott, mach dass der Lehrer mir eine gute Note gibt.“ Gebe ich im Gebet Gott einen Arbeitsauftrag, eine Anweisung? Kann ich sauer auf ihn sein, wenn er mir meine Wünsche nicht erfüllt? Wenn ich mir etwas wünsche und jemand anders das Gegenteil, auf wen hört Gott dann? Und warum hört er nicht auf die Gebete aller Menschen?

Verwirrungsstrategien eines Professors…

Mitte Mai fand die Theologische Sozietät zum Thema „Geschichte und Geschichten“ statt. Die Theologische Sozietät ist eine Zusammenkunft von Theologiedozenten der PH Schwäbisch Gmünd, Religionslehrkräften, Schuldekanen, den Tutorinnen und Gästen. Dabei stellt ein Dozent sein Forschungsthema vor und man kann darüber in einen Austausch treten. Am Ende der letzten Sozietät kam ein interessantes Gesprächsthema auf. Einer der Professoren behauptete, Papst Franziskus habe bereits Frauen zu Diakoninnen gemacht – dies sei allerdings den meisten Menschen nicht bekannt. Überall schauten sich die Hörer/innen des Vortrags verwirrt an, denn keiner hatte diese wahnsinning brisante Neuigkeit mitbekommen. Beinahe wären die Anwesenden im Anschluss nach Hause gegangen und hätten diese (erfundene) Geschichte(n) an ihre Mitmenschen verbreitet – und daher zu Geschichte gemacht. Später waren sich alle  sehr sicher, dass sie gewusst hätten, dass es nur ein Scherz gewesen sei.

Am nächsten Tag kam dann die große Verblüffung: Papst Franziskus hatte (vor Äbtissinnen!) angekündigt, er würde das Diakonat für Frauen überdenken:

„Papst Franziskus will prüfen lassen, ob Frauen in der katholischen Kirche als Diakone dienen könnten. Er sei willens, dazu eine Kommission einzusetzen, erklärte das Kirchenoberhaupt am Donnerstag. Diakone unterstützen in katholischen Gemeinden in der Regel den Pfarrer. Sie werden geweiht und übernehmen geistliche Aufgaben. In der katholischen Kirche dürfen Frauen nicht Priesterinnen werden.“ [Quelle: http://www.welt.de/politik/ausland/article155298728/Papst-erwaegt-Zulassung-von-Frauen-zum-Diakonat.html%5D

Als wir Student_innen davon hörten, konnten wir es kaum glauben und haben uns aber natürlich sehr gefreut. Auch wenn der Papst hiermit nicht ein vollwertiges Kirchenamt (inklusive einer  vollwertigen Weihe) im Sinn hat, wäre es doch ein großer Schritt auf dem Weg hin zu einer stärkeren Beteiligung von Frauen in der katholischen Kirche. Und diese Überlegung steht nicht im Freien – sie hat eine biblische Begründung. Im Römerbrief lesen wir von einer Diakonin Phöbe:

Römer 16,1: 

  • Ich empfehle euch unsere Schwester Phöbe, die Diakonin der Gemeinde von Kenchreä. Nehmt sie auf im Herrn, wie es sich für die Heiligen geziemt, und steht ihr bei, wo immer sie eure Hilfe braucht. Denn sie hat sich ihrerseits für viele eingesetzt, auch für mich persönlich. (Zürcher Bibel)
  • Ich möchte euch unsere Schwester Phöbe vorstellen. Sie ist Diakonin der Gemeinde in Kenchreä. Ich empfehle sie, damit ihr sie in die Gemeinde aufnehmt – wie es unter heiligen Geschwistern üblich ist. Steht ihr bei und unterstützt sie in allen Angelegenheiten, in denen sie auch braucht. Sie ist eine Autorität und hat vielen Schutz geboten, auch mir selbst. (Bibel in gerechter Sprache)

An dieser Bibelstelle wird sehr deutlich, dass mit dem Amt einer Diakonin eine gehobene Autorität, aber auch eine starke Verantwortung im Dienst an den Menschen einhergeht. Es wäre durchaus denkbar, dass viele Frauen diese Möglichkeit wahrnehmen würden und damit dazu beitragen würden, diejenigen Menschen nicht zu vergessen, für die Jesus mit seiner Botschaft eingetreten ist: die Unterdrückten, die Armen, die Marginalisierten, Ausgestoßenen.

Manche Aussagen der Medien behaupten, dieser Vorschlag wäre nur dem Priestermangel in der katholischen Kirche geschuldet. Doch vielleicht hat Franziskus auch einfach nur die „Zeichen der Zeit“ gelesen und erkannt, dass hier ein Umschwung nötig ist. Was nun passieren wird ist noch offen. Allerdings ist es bereits eine beachtliche Leistung, dass der Papst überhaupt eine Komission für die Überprüfung einsetzt und das Thema damit auf die Agenda setzt (auch wenn es länger dauern könnte, wie er selbst zugab). Wir hoffen  weiter und bleiben gespannt.

(Ein Interview zum Thema: http://www.heute.de/vatikan-papst-franziskus-will-das-diakonat-fuer-frauen-pruefen-43510738.html)

Interreligiöse Begegnung

Am 3. und 4. Juni (mit einer Fortsetzung Mitte Juli) fand das Seminar „Interkulturelle Lebenswelten“ an der PH Gmünd statt. Dieses zielt(e) insgesamt auf interreligiöse Begegnung und Kommunikation.

Zunächst gab es Freitag und Samstag einführende Vorträge zum Thema Gesellschaft für Dialog Baden-Württemberg, ‚Projekt Weltethos‘, Interreligiöser Unterricht und die entsprechende Pädagogik und Einführungen in den Islam. Einiger der Gastreferenten kamen von der Uni Tübingen, es waren aber auch Lehrer dabei.

Richtig spannend wurde es dann Samstag Abend: Wir waren jeweils in 4er und 5er Gruppen dazu eingeladen, einen Abend bei einer türkischen Familie zu verbringen, dort in einen kulturellen und religiösen Austausch zu treten, einen Dialog zu führen und dort abendzuessen. Die Familie, die wir besuchten, bestand aus der Mutter und ihrem jüngeren Sohn (der kurzzeitig bei dem Gespräch anwesend war), sowie dem Vater, der erst nach dem Essen zu uns stoßen konnte. Zudem gibt es noch einen großen Bruder, der allerdings zu diesem Zeitpunkt nicht zu Hause war. Außerdem war noch kurz die Schwester der Mutter anwesend. Durchgängig begleitet hat uns zusätzlich ein ‚Buddy‘ der GfD und eine Schülerin des Buddies.

Als wir in die schöne und moderne Wohnung der Familie kamen, wurden wir sofort sehr herzlich begrüßt. Nach einer Vorstellungsrunde und vorsichtigen Annäherungsversuchen begann eine Fragerunde von unserer Seite aus. Die Familie erwartete eigentlich, wir hätten einen Fragenkatalog vorbereitet, doch eigentlich war der Abend ja auf Dialog ausgelegt. Von da an haben wir über unterschiedliche Themen gesprochen. Zum Beispiel über Vorurteile, die den Frauen gegenüber oft begegnen. Dies war besonders der Vorwurf, das Kopftuch sei ein Zeichen von Unterdrückung – sie erklärten uns jedoch, dass sie dies aus freiem Willen machen und nicht deshalb, weil es zum Beispiel der Mann von ihnen erwartet. Unser Buddy erklärte zudem, sie habe sich bewusst für einen Mann entschieden, der ihre religiösen Ansichten teile. Auch haben wir uns über das 5x tägliche Gebet der Muslime unterhalten und erfahren, dass man dieses Gebet auch verschieben kann, wenn man unterwegs ist und keine Zeit hat (wie zum Beispiel bei der Arbeit). Auch kann man in anderen Situationen, wie z.B. im Zug auch sitzend beten, da es mehr auf die Haltung des Herzens als auf die Haltung des Körpers ankommt. Allerdings wurde uns auch gesagt, dass diese Ansicht  sicher von Muslim zu Muslim unterschiedlich sei. Ein weiters wichtiges Thema des Abends war das Fasten. Hier gab es zum ersten Mal auch die Gelegenheit tatsächlich in einen aktiven Dialog einzutreten. Die Gastgeber erzählten uns vom Ramadan und wie dieser abläuft. Sie erwähnten unter anderem, dass sie sich besser fühlen würden, religiöse und physische Vorteile daraus ziehen würden und dass das Gemeinsame Essen am Abend bzw. in der Nacht etwas ganz Besonderes sei, da die ganze Familie zusammen kommt. Auch wir erzählten anschließend vom christlichen Fasten und stellten fest, dass die Bedeutung ziemlich ähnlich ist: Es geht um Besinnung, darum darüber nachzudenken wie gut wir es eigentlich haben und die Dinge, die für uns aber nicht für viele Menschen auf der Welt so selbstverständlich sind.

Insgesamt war der Abend eine sehr besondere Erfahrung. Oft leben Christen und Muslime im Alltag aneinander vorbei – ein Dialog kommt eher selten zu Stande. Deshalb sind solche Erfahrungen von höchster Bedeutung. Unsere Gruppe war sich einig, dass diese ein verpflichtender Teil des Studiums sein sollte – und das nicht nur innerhalb der Theologie. Als zukünftige Lehrkräfte ist interkulturelle und interreligiöse Kompetenz unheimlich wichtig, vor allem angesichts der vielen Menschen unterschiedlicher Herkunft die momentan zu uns kommen. Es wäre schön, wenn es öfters solche Gelegenheiten gäbe, um Vorurteile abzubauen, dies jedoch nicht nur von Christen zu Muslimen sondern auch in die andere Richtung.