Schöpfung – eine Vision von Gerechtigkeit?

Das ganze vorherige Semester ließ sich mit diesem Thema füllen und aktuell beschäftigt es mich immer wieder in meinem Alltag.

Häufig ist Schöpfung im Religionsunterricht ein schwieriges Thema, vor allem in der Sekundarstufe. Denn hier setzen die Kinder und Jugendlichen die Schöpfungstexte ins Verhältnis mit ihrem naturwissenschaftlichen Wissen und kommen oftmals zu dem Schluss, dass nur eine Perspektive die wahre sein kann und nicht beide nebeneinander bestehen können. Doch von diesem naturwissenschaftlichen Kontext aus ist der Zugang zu der ursprünglich so brisanten Intension der Schöpfungstexte bereits verbaut. Diese blicken nämlich nicht auf die Entstehung der Welt zurück, sondern wollen den gegenwärtigen Verhältnissen einen Spiegel vorhalten und zeigen wie eine gerechte, menschen- und lebensfreundliche Welt aussehen könnte. Diese Vision zeigt uns, wie Mensch, Tier und Natur in Einklang miteinander friedlich leben und wie jedes Geschöpf hat was es zum Leben braucht.

Aber genau dieser scharfe Kontrast zu unserer Wirklichkeit macht es mir in der gegenwärtigen Situation häufig schwer an diese Vision zu glauben. Denn fast jede Woche kann man in den Nachrichten von einem neuen Unglück, einer neuen Katastrophe erfahren. Millionen Flüchtlinge strömen nach Europa weil ihr eigenes Land nicht mehr sicher ist, Attentate durch Selbstmordattentäter in Belgien, Paris, Deutschland, England und dem nahen Osten etc und Themen wie die Umweltverschmutzung und der Klimawandel lassen uns immer wieder aufschrecken. Gerade vor zwei Tagen fand während eines Konzerts in England, bei dem die Besucher gemeinsam,  friedlich und ausgelassen miteinander die Musik einer Künstlerin genießen wollten, ein terroristisches Selbstmordattentat statt. In Folge des Attentats starben dabei in Manchester 22 Menschen und viele weitere wurden verletzt.

Doch greift nicht Schöpfung, als Vision von Gerechtigkeit verstanden, genau dieses Thema auf? Die Texte entstanden in der Exilszeit und waren damals schon der Ruf nach Protest, nach Widerstand und Ausbruch aus den gegebenen Verhältnissen. Es ging den Autoren um die Umgestaltung der Wirklichkeit und hat nicht auch Jesus das Reich Gottes angekündigt anstatt auf jenseitige Hoffnung zu vertrösten? Vielleicht können wir die Schöpfungstexte als Aufruf verstehen unser Verhalten, beispielsweise in Bezug auf die Umweltverschmutzung, zu ändern und etwas zur Erfüllung der Schöpfungsvision beizutragen. Menschen in Not und Verzweiflung können aus dieser Vision möglicherweise Hoffnung und Mut schöpfen. Hoffnung auf eine friedliche Welt die der Forderung von Papst Franziskus nach einer „mutigen kulturellen Revolution“, eines „radikalen Kurswechsels“ und einer „gemeinschaftlichen Umkehr“ nachkommt.

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