„Was? Du fastest? Aber doch nicht aus religiösen Gründen oder?“

Diese Frage ist mir in letzter Zeit häufig begegnet, da ich für mich beschlossen habe in der Fastenzeit vor Ostern kein Fleisch und keine Süßigkeiten mehr zu essen und in einer besonderen Fastenwoche ganz auf Nahrung zu verzichten.

Fasten ist in der gegenwärtigen Zeit fast schon ein Modebegriff und Menschen fasten aus ganz verschiedenen Beweggründen. So nutzen viele das Fasten um Gewicht zu verlieren, wieder fit für den Sommer zu werden oder um etwas für die  Gesundheit zu tun. Andere möchten Freiheit erfahren und herausfinden, inwiefern sie vom Essen allgemein oder von bestimmten Genussmitteln abhängig sind. Aber der Verzicht auf Nahrung kann auch ein Zeichen von Solidarität sein, mit dem man ausdrückt: Ich will mit Menschen, die hungern müssen, mitfühlen.

Fasten ist jedoch auch ein wichtiges Ritual in verschiedenen Religionen, denn der Gläubige soll sich in dieser enthaltsamen Zeit wieder mehr auf seinen Glauben konzentrieren, Buße tun und Gott näher kommen. Es dient auch als Erinnerung an die ursprünglichen Religionsstifter, die alle eine Phase des Verzichts erfahren haben. Mohammed fastete, bevor ihm der Koran offenbart wurde, Moses stieg auf den Berg Sinai und fastete 40 Tage, bevor er Gottes Wort empfing, und Jesus zog sich vor seinem öffentlichen Wirken 40 Tage zum Fasten in die Wüste zurück.

Bei den Christen dauert die Fasten- oder Passionszeit von Aschermittwoch bis Ostern. Die Gläubigen sollen in der Fastenzeit auf Dinge verzichten, die ihnen angenehm und lieb sind, wie zum Beispiel Schokolade, Alkohol, Nikotin, fernsehen oder Auto fahren. Es geht aber nicht darum, seinen Verzicht nach außen hin zu zeigen und sich durch „bloß äußerliches Tun“ in den Mittelpunkt zu stellen. Denn schon Jesus Christus rief in der Bergpredigt (Mt 6,16–18 EU) zur Demut bei der Übung des Fastens auf:

„Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass Du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“

Das christlich motivierte Fasten drückt immer auch eine Zuwendung und Wertschätzung Gott gegenüber aus und ist damit auch mit einer Zuwendung zum Menschen verbunden. Neben dem Gebet ist nämlich auch das Almosen geben ein wichtiger Bestandteil des Fastens. Fasten im christlichen Sinn meint also anders als im herkömmlichen Sinn: Nicht zuerst etwas für sich tun, sondern für Gott – und für die Menschen tun.

Ich habe dabei für mich die Erfahrung gemacht, dass dieses Tun zugleich auch mir unheimlich gut getan hat und ich mich selbst und meinen Körper in dieser Zeit von einer anderen Seite kennengelernt habe. Als schwierig habe ich jedoch die teilweise verständnislosen Reaktionen meines Umfeldes empfunden. Denn wenn man sich beispielsweise bei Restaurantbesuchen ständig rechtfertigen muss, warum man einen Salat statt einem Zwiebelrostbraten isst oder warum man das Dessert weglässt, kann Fasten sehr anstrengend sein.

Dennoch – ja ich faste aus religiöser Motivation und genieße die Nähe zu Gott, die ich in dieser Zeit besonders spüre. Und in der nächsten Fastenzeit bin ich gerne wieder dabei!

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