1 Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da.Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen.Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr.Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut.Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maße.Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan.Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt’s dem Speisemeister! Und sie brachten’s ihm. […]“ Joh 2,1-8f
Wie die Geschichte ausgeht, wissen wohl die meisten bereits. Anstatt der trinkwütigen Meute einen Strich durch die Rechnung zu machen und von nun an Wasser zu verteilen, verwandelt Jesus das Wasser in Wein. So eine Hochzeit war vor 2000 Jahren schon eine enorme Angelegenheit und Getränke gab es in Hülle und Fülle. Dass der Wein ausgegangen war, bedeutete also vermutlich, dass die Hochzeitsgäste tatsächlich über ihren Durst getrunken hatten.
Ähnlich wenig Zurückhaltung im Konsum alkoholischer Getränke legen Menschen im 21. Jahrhundert an den Tag – auch Theologiestudierende. Einen wunderbaren Anlass dazu bietet – alle Jahre wieder – der Weihnachtsmarkt. Die Bandbreite an Glühweinsorten ist beinahe grenzenlos. Von weiß, rosé und rot bis Apfel-Zimt- und Holunder-Ingwer-Glühwein ist alles dabei was das Herz begehrt.
Viele Studierende verbringen die Adventswochenenden mit ihren Familien, weshalb meine Kommillitonen und ich dem Weihnachtsmarkt werktags einen Besuch abstatteten. Zu schade, dass dieser unter der Woche schon relativ früh schließt. Kein Problem für uns: im Supermarkt haben wir uns noch mit allerlei geistvernebelnden Köstlichkeiten eingedeckt und in privaten Räumlichkeiten weiter-genossen.
Wie üblich wird bei solchen Aktionen auch immer der innere, philosophische Geist wachgeküsst. In unserem Fall war es wohl eher der theologische. Wir begannen über Religionen, Ethik und Wahrheit nachzudenken. Fragen zu Jesus, unseren theologischen Ansichten und unserem persönlichen Glauben standen nun im Raum. Glaubt es oder nicht, aber es hat mich tatsächlich überrascht und fasziniert, dass wir ausgerechnet an diesem Abend begannen über unsere tiefsten Überzeugungen nachzudenken.
Wer weiß, vielleicht ist Alkohol nicht immer nur ein Geistvernebler. Möglicherweise lüftet er auch manchmal den Schleier, der das Wesentliche in unserem Leben verdeckt.
Falls ihr also gerade noch im Vorweihnachtsstress seid, Geschenke besorgen müsst oder von einer Weihnachtsfeier auf die nächste hetzt, dann denkt daran:
Die Welt dreht sich auch weiter wenn nicht alles perfekt vorbereitet ist, wenn die Geschenke nicht so teuer sind wie im Vorjahr und wenn eine Weihnachtsfeier ausnahmsweise ohne euch stattfindet.
Joseph war sehr weit von Perfektion entfernt, als er mit seiner hochschwangeren Frau, nach einer strapaziösen Reise und ohne Aussicht auf Unterkunft in Bethlehem ankam. Vielleicht tragen wir das Erbe des ersten Weihnachtsfestes auch noch bis heute mit uns herum.
Die gute Nachricht ist: wir haben, im Gegensatz zu Maria und Josef, die freie Wahl. Nehmt euch als ruhig Zeit für einen Glühwein (oder zwei), genießt einen Abend mit euren Freunden und Familien. Reflektiert, philosophiert, diskutiert. Womöglich ist es die Gelegenheit die alles entscheidende Frage zu klären:
Warum feiere ICH Weihnachten!?
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