Verwirrungsstrategien eines Professors…

Mitte Mai fand die Theologische Sozietät zum Thema „Geschichte und Geschichten“ statt. Die Theologische Sozietät ist eine Zusammenkunft von Theologiedozenten der PH Schwäbisch Gmünd, Religionslehrkräften, Schuldekanen, den Tutorinnen und Gästen. Dabei stellt ein Dozent sein Forschungsthema vor und man kann darüber in einen Austausch treten. Am Ende der letzten Sozietät kam ein interessantes Gesprächsthema auf. Einer der Professoren behauptete, Papst Franziskus habe bereits Frauen zu Diakoninnen gemacht – dies sei allerdings den meisten Menschen nicht bekannt. Überall schauten sich die Hörer/innen des Vortrags verwirrt an, denn keiner hatte diese wahnsinning brisante Neuigkeit mitbekommen. Beinahe wären die Anwesenden im Anschluss nach Hause gegangen und hätten diese (erfundene) Geschichte(n) an ihre Mitmenschen verbreitet – und daher zu Geschichte gemacht. Später waren sich alle  sehr sicher, dass sie gewusst hätten, dass es nur ein Scherz gewesen sei.

Am nächsten Tag kam dann die große Verblüffung: Papst Franziskus hatte (vor Äbtissinnen!) angekündigt, er würde das Diakonat für Frauen überdenken:

„Papst Franziskus will prüfen lassen, ob Frauen in der katholischen Kirche als Diakone dienen könnten. Er sei willens, dazu eine Kommission einzusetzen, erklärte das Kirchenoberhaupt am Donnerstag. Diakone unterstützen in katholischen Gemeinden in der Regel den Pfarrer. Sie werden geweiht und übernehmen geistliche Aufgaben. In der katholischen Kirche dürfen Frauen nicht Priesterinnen werden.“ [Quelle: http://www.welt.de/politik/ausland/article155298728/Papst-erwaegt-Zulassung-von-Frauen-zum-Diakonat.html%5D

Als wir Student_innen davon hörten, konnten wir es kaum glauben und haben uns aber natürlich sehr gefreut. Auch wenn der Papst hiermit nicht ein vollwertiges Kirchenamt (inklusive einer  vollwertigen Weihe) im Sinn hat, wäre es doch ein großer Schritt auf dem Weg hin zu einer stärkeren Beteiligung von Frauen in der katholischen Kirche. Und diese Überlegung steht nicht im Freien – sie hat eine biblische Begründung. Im Römerbrief lesen wir von einer Diakonin Phöbe:

Römer 16,1: 

  • Ich empfehle euch unsere Schwester Phöbe, die Diakonin der Gemeinde von Kenchreä. Nehmt sie auf im Herrn, wie es sich für die Heiligen geziemt, und steht ihr bei, wo immer sie eure Hilfe braucht. Denn sie hat sich ihrerseits für viele eingesetzt, auch für mich persönlich. (Zürcher Bibel)
  • Ich möchte euch unsere Schwester Phöbe vorstellen. Sie ist Diakonin der Gemeinde in Kenchreä. Ich empfehle sie, damit ihr sie in die Gemeinde aufnehmt – wie es unter heiligen Geschwistern üblich ist. Steht ihr bei und unterstützt sie in allen Angelegenheiten, in denen sie auch braucht. Sie ist eine Autorität und hat vielen Schutz geboten, auch mir selbst. (Bibel in gerechter Sprache)

An dieser Bibelstelle wird sehr deutlich, dass mit dem Amt einer Diakonin eine gehobene Autorität, aber auch eine starke Verantwortung im Dienst an den Menschen einhergeht. Es wäre durchaus denkbar, dass viele Frauen diese Möglichkeit wahrnehmen würden und damit dazu beitragen würden, diejenigen Menschen nicht zu vergessen, für die Jesus mit seiner Botschaft eingetreten ist: die Unterdrückten, die Armen, die Marginalisierten, Ausgestoßenen.

Manche Aussagen der Medien behaupten, dieser Vorschlag wäre nur dem Priestermangel in der katholischen Kirche geschuldet. Doch vielleicht hat Franziskus auch einfach nur die „Zeichen der Zeit“ gelesen und erkannt, dass hier ein Umschwung nötig ist. Was nun passieren wird ist noch offen. Allerdings ist es bereits eine beachtliche Leistung, dass der Papst überhaupt eine Komission für die Überprüfung einsetzt und das Thema damit auf die Agenda setzt (auch wenn es länger dauern könnte, wie er selbst zugab). Wir hoffen  weiter und bleiben gespannt.

(Ein Interview zum Thema: http://www.heute.de/vatikan-papst-franziskus-will-das-diakonat-fuer-frauen-pruefen-43510738.html)

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Interreligiöse Begegnung

Am 3. und 4. Juni (mit einer Fortsetzung Mitte Juli) fand das Seminar „Interkulturelle Lebenswelten“ an der PH Gmünd statt. Dieses zielt(e) insgesamt auf interreligiöse Begegnung und Kommunikation.

Zunächst gab es Freitag und Samstag einführende Vorträge zum Thema Gesellschaft für Dialog Baden-Württemberg, ‚Projekt Weltethos‘, Interreligiöser Unterricht und die entsprechende Pädagogik und Einführungen in den Islam. Einiger der Gastreferenten kamen von der Uni Tübingen, es waren aber auch Lehrer dabei.

Richtig spannend wurde es dann Samstag Abend: Wir waren jeweils in 4er und 5er Gruppen dazu eingeladen, einen Abend bei einer türkischen Familie zu verbringen, dort in einen kulturellen und religiösen Austausch zu treten, einen Dialog zu führen und dort abendzuessen. Die Familie, die wir besuchten, bestand aus der Mutter und ihrem jüngeren Sohn (der kurzzeitig bei dem Gespräch anwesend war), sowie dem Vater, der erst nach dem Essen zu uns stoßen konnte. Zudem gibt es noch einen großen Bruder, der allerdings zu diesem Zeitpunkt nicht zu Hause war. Außerdem war noch kurz die Schwester der Mutter anwesend. Durchgängig begleitet hat uns zusätzlich ein ‚Buddy‘ der GfD und eine Schülerin des Buddies.

Als wir in die schöne und moderne Wohnung der Familie kamen, wurden wir sofort sehr herzlich begrüßt. Nach einer Vorstellungsrunde und vorsichtigen Annäherungsversuchen begann eine Fragerunde von unserer Seite aus. Die Familie erwartete eigentlich, wir hätten einen Fragenkatalog vorbereitet, doch eigentlich war der Abend ja auf Dialog ausgelegt. Von da an haben wir über unterschiedliche Themen gesprochen. Zum Beispiel über Vorurteile, die den Frauen gegenüber oft begegnen. Dies war besonders der Vorwurf, das Kopftuch sei ein Zeichen von Unterdrückung – sie erklärten uns jedoch, dass sie dies aus freiem Willen machen und nicht deshalb, weil es zum Beispiel der Mann von ihnen erwartet. Unser Buddy erklärte zudem, sie habe sich bewusst für einen Mann entschieden, der ihre religiösen Ansichten teile. Auch haben wir uns über das 5x tägliche Gebet der Muslime unterhalten und erfahren, dass man dieses Gebet auch verschieben kann, wenn man unterwegs ist und keine Zeit hat (wie zum Beispiel bei der Arbeit). Auch kann man in anderen Situationen, wie z.B. im Zug auch sitzend beten, da es mehr auf die Haltung des Herzens als auf die Haltung des Körpers ankommt. Allerdings wurde uns auch gesagt, dass diese Ansicht  sicher von Muslim zu Muslim unterschiedlich sei. Ein weiters wichtiges Thema des Abends war das Fasten. Hier gab es zum ersten Mal auch die Gelegenheit tatsächlich in einen aktiven Dialog einzutreten. Die Gastgeber erzählten uns vom Ramadan und wie dieser abläuft. Sie erwähnten unter anderem, dass sie sich besser fühlen würden, religiöse und physische Vorteile daraus ziehen würden und dass das Gemeinsame Essen am Abend bzw. in der Nacht etwas ganz Besonderes sei, da die ganze Familie zusammen kommt. Auch wir erzählten anschließend vom christlichen Fasten und stellten fest, dass die Bedeutung ziemlich ähnlich ist: Es geht um Besinnung, darum darüber nachzudenken wie gut wir es eigentlich haben und die Dinge, die für uns aber nicht für viele Menschen auf der Welt so selbstverständlich sind.

Insgesamt war der Abend eine sehr besondere Erfahrung. Oft leben Christen und Muslime im Alltag aneinander vorbei – ein Dialog kommt eher selten zu Stande. Deshalb sind solche Erfahrungen von höchster Bedeutung. Unsere Gruppe war sich einig, dass diese ein verpflichtender Teil des Studiums sein sollte – und das nicht nur innerhalb der Theologie. Als zukünftige Lehrkräfte ist interkulturelle und interreligiöse Kompetenz unheimlich wichtig, vor allem angesichts der vielen Menschen unterschiedlicher Herkunft die momentan zu uns kommen. Es wäre schön, wenn es öfters solche Gelegenheiten gäbe, um Vorurteile abzubauen, dies jedoch nicht nur von Christen zu Muslimen sondern auch in die andere Richtung.