Der Sommer ist da

Endlich ist der Sommer da. Endlich ist es schön warm und man kann wieder luftige Kleider tragen, ein Eis essen gehen oder die Sonne im Freibad oder am See genießen.

Aber nicht nur das Wetter hat sich verändert, ich habe auch das Gefühl das meine Stimmung mit den Temperaturen gestiegen ist. Denn plötzlich habe ich Lust Dinge zu unternehmen und meine Freizeit möglichst viel an der frischen Luft zu verbringen. Abends ist es länger hell und ich kann den Tag besser nutzen und habe wieder Lust Sport zu treiben bzw. mich zu bewegen.

Auch an der PH fällt mir immer wieder auf, dass viele Studenten draußen sitzen, einen Kaffee trinken oder einfach mit ihren Kommilitonen und Kommilitoninnen quatschen und das Wetter genießen. Sie können ihre Pausen endlich wieder draußen verbringen anstatt in stickigen Seminarräumen sitzen zu müssen und scheinen dadurch für einen Moment ihren Stress und ihre Sorgen vergessen zu können.

Natürlich kann man auch bei schlechtem Wetter gut gelaunt sein, aber mir persönlich fällt das bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein leichter. Und vielleicht kommt das gute Wetter und die damit verbundene Leichtigkeit genau zum richtigen Zeitpunkt um vor der Klausurenphase noch einmal durchatmen und entspannen zu können.

In diesem Sinne wünsche ich euch viel Kraft und Durchhaltevermögen für diese anstrengende Zeit und hoffe, dass auch ihr das tolle Wetter genießen, etwas unternehmen und noch einmal Energie tanken könnt.

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Schöpfung – eine Vision von Gerechtigkeit?

Das ganze vorherige Semester ließ sich mit diesem Thema füllen und aktuell beschäftigt es mich immer wieder in meinem Alltag.

Häufig ist Schöpfung im Religionsunterricht ein schwieriges Thema, vor allem in der Sekundarstufe. Denn hier setzen die Kinder und Jugendlichen die Schöpfungstexte ins Verhältnis mit ihrem naturwissenschaftlichen Wissen und kommen oftmals zu dem Schluss, dass nur eine Perspektive die wahre sein kann und nicht beide nebeneinander bestehen können. Doch von diesem naturwissenschaftlichen Kontext aus ist der Zugang zu der ursprünglich so brisanten Intension der Schöpfungstexte bereits verbaut. Diese blicken nämlich nicht auf die Entstehung der Welt zurück, sondern wollen den gegenwärtigen Verhältnissen einen Spiegel vorhalten und zeigen wie eine gerechte, menschen- und lebensfreundliche Welt aussehen könnte. Diese Vision zeigt uns, wie Mensch, Tier und Natur in Einklang miteinander friedlich leben und wie jedes Geschöpf hat was es zum Leben braucht.

Aber genau dieser scharfe Kontrast zu unserer Wirklichkeit macht es mir in der gegenwärtigen Situation häufig schwer an diese Vision zu glauben. Denn fast jede Woche kann man in den Nachrichten von einem neuen Unglück, einer neuen Katastrophe erfahren. Millionen Flüchtlinge strömen nach Europa weil ihr eigenes Land nicht mehr sicher ist, Attentate durch Selbstmordattentäter in Belgien, Paris, Deutschland, England und dem nahen Osten etc und Themen wie die Umweltverschmutzung und der Klimawandel lassen uns immer wieder aufschrecken. Gerade vor zwei Tagen fand während eines Konzerts in England, bei dem die Besucher gemeinsam,  friedlich und ausgelassen miteinander die Musik einer Künstlerin genießen wollten, ein terroristisches Selbstmordattentat statt. In Folge des Attentats starben dabei in Manchester 22 Menschen und viele weitere wurden verletzt.

Doch greift nicht Schöpfung, als Vision von Gerechtigkeit verstanden, genau dieses Thema auf? Die Texte entstanden in der Exilszeit und waren damals schon der Ruf nach Protest, nach Widerstand und Ausbruch aus den gegebenen Verhältnissen. Es ging den Autoren um die Umgestaltung der Wirklichkeit und hat nicht auch Jesus das Reich Gottes angekündigt anstatt auf jenseitige Hoffnung zu vertrösten? Vielleicht können wir die Schöpfungstexte als Aufruf verstehen unser Verhalten, beispielsweise in Bezug auf die Umweltverschmutzung, zu ändern und etwas zur Erfüllung der Schöpfungsvision beizutragen. Menschen in Not und Verzweiflung können aus dieser Vision möglicherweise Hoffnung und Mut schöpfen. Hoffnung auf eine friedliche Welt die der Forderung von Papst Franziskus nach einer „mutigen kulturellen Revolution“, eines „radikalen Kurswechsels“ und einer „gemeinschaftlichen Umkehr“ nachkommt.

„Was? Du fastest? Aber doch nicht aus religiösen Gründen oder?“

Diese Frage ist mir in letzter Zeit häufig begegnet, da ich für mich beschlossen habe in der Fastenzeit vor Ostern kein Fleisch und keine Süßigkeiten mehr zu essen und in einer besonderen Fastenwoche ganz auf Nahrung zu verzichten.

Fasten ist in der gegenwärtigen Zeit fast schon ein Modebegriff und Menschen fasten aus ganz verschiedenen Beweggründen. So nutzen viele das Fasten um Gewicht zu verlieren, wieder fit für den Sommer zu werden oder um etwas für die  Gesundheit zu tun. Andere möchten Freiheit erfahren und herausfinden, inwiefern sie vom Essen allgemein oder von bestimmten Genussmitteln abhängig sind. Aber der Verzicht auf Nahrung kann auch ein Zeichen von Solidarität sein, mit dem man ausdrückt: Ich will mit Menschen, die hungern müssen, mitfühlen.

Fasten ist jedoch auch ein wichtiges Ritual in verschiedenen Religionen, denn der Gläubige soll sich in dieser enthaltsamen Zeit wieder mehr auf seinen Glauben konzentrieren, Buße tun und Gott näher kommen. Es dient auch als Erinnerung an die ursprünglichen Religionsstifter, die alle eine Phase des Verzichts erfahren haben. Mohammed fastete, bevor ihm der Koran offenbart wurde, Moses stieg auf den Berg Sinai und fastete 40 Tage, bevor er Gottes Wort empfing, und Jesus zog sich vor seinem öffentlichen Wirken 40 Tage zum Fasten in die Wüste zurück.

Bei den Christen dauert die Fasten- oder Passionszeit von Aschermittwoch bis Ostern. Die Gläubigen sollen in der Fastenzeit auf Dinge verzichten, die ihnen angenehm und lieb sind, wie zum Beispiel Schokolade, Alkohol, Nikotin, fernsehen oder Auto fahren. Es geht aber nicht darum, seinen Verzicht nach außen hin zu zeigen und sich durch „bloß äußerliches Tun“ in den Mittelpunkt zu stellen. Denn schon Jesus Christus rief in der Bergpredigt (Mt 6,16–18 EU) zur Demut bei der Übung des Fastens auf:

„Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass Du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“

Das christlich motivierte Fasten drückt immer auch eine Zuwendung und Wertschätzung Gott gegenüber aus und ist damit auch mit einer Zuwendung zum Menschen verbunden. Neben dem Gebet ist nämlich auch das Almosen geben ein wichtiger Bestandteil des Fastens. Fasten im christlichen Sinn meint also anders als im herkömmlichen Sinn: Nicht zuerst etwas für sich tun, sondern für Gott – und für die Menschen tun.

Ich habe dabei für mich die Erfahrung gemacht, dass dieses Tun zugleich auch mir unheimlich gut getan hat und ich mich selbst und meinen Körper in dieser Zeit von einer anderen Seite kennengelernt habe. Als schwierig habe ich jedoch die teilweise verständnislosen Reaktionen meines Umfeldes empfunden. Denn wenn man sich beispielsweise bei Restaurantbesuchen ständig rechtfertigen muss, warum man einen Salat statt einem Zwiebelrostbraten isst oder warum man das Dessert weglässt, kann Fasten sehr anstrengend sein.

Dennoch – ja ich faste aus religiöser Motivation und genieße die Nähe zu Gott, die ich in dieser Zeit besonders spüre. Und in der nächsten Fastenzeit bin ich gerne wieder dabei!

Wie sehr einem die Weißwurst fehlen kann…

Viele Semester lang gab es an unserer Hochschule eine Tradition:

Am Donnerstag in der Prüfungswoche bereitete die Fachschaft Theologie ein Weißwurstfrühstück für alle Theo-Studenten und Dozenten vor, um so das Semester gemeinsam ausklingen zu lassen. Egal ob vor oder nach der Prüfung, ob mit Weißwurst oder Brezel, ob Fachschaft oder Theo-Normal-Student – jeder konnte vorbeikommen um das Semester Revue passieren zu lassen, sich über die furchtbar komplizierte Prüfung zu beschweren, sich auszuweinen über schlechte Noten oder sich die Angst nehmen zu lassen vor dem, was noch bevor stand.

Ja, das Weißwurstfrühstück war mehr als nur eine Mahlzeit. Doch die vielen Umstrukturierungsphasen der letzten Semester, die Höhen und Tiefen durch welche die Fachschaft gehen musste, führten dazu, dass das Weißwurstfrühstück abgeschafft wurde. Man mag es kaum glauben, aber irgendwas fehlt jetzt. Es gab irgendwie kein richtiges Ende.

Ich konnte mich nicht mit den Studenten freuen, die trotz anfänglicher Panikattacken mit guten Noten aus den mündlichen Prüfungen kamen. Ich konnte denen, die bald ihre Exegese schreiben, keine Tipps geben. Ich konnte nicht privat mit den Dozenten zusammensitzen und von den neuesten Neuigkeiten aus meinem Leben berichten. Ich konnte nicht mit denen leiden, die durch eine wichtige Prüfung gefallen sind und jetzt vielleicht das Studium aufgeben müssen. Ich konnte nicht Abschied nehmen von denen, die nur noch die Examensprüfungen vor sich haben und dann vielleicht für immer aus meinem Leben verschwinden.

Keiner hätte je gedacht, dass ein Weißwurstfrühstück so wichtig sein kann. Den Mitgliedern der Fachschaft kann nur vollstes Verständnis entgegengebracht werden. Keiner von uns musste jemals neben seinen oder ihren Prüfungen noch ein gemeinsames Essen für so viele Personen vorbereiten. Doch die Hoffnung auf einen gemeinsamen Semesterabschluss in den kommenden Semestern mag ich trotzdem noch nicht aufgeben. Alte Traditionen müssen manchmal abgelegt werden um etwas neues auszuprobieren. Und so wie die Theo-Erdbeerbowle die Theo-Reispfanne beim Sommerfest der Hochschule mehr als erfolgreich abgelöst hat, glaube ich, dass es eines Tages auch für das Theo-Weißwurstfrühstück einen mehr als würdigen Nachfolger gibt.

Vorsätze? Nein, Danke!

Wer von euch hat sich am Silvesterabend noch einmal vor Augen geführt, was alles gut und schlecht lief in 2016 und was deshalb in 2017 geändert werden muss?! Und wer von euch hat in den letzten drei Wochen sein Leben ganz konkret daran ausgerichtet?

„Sie müssen das jetzt nicht laut sagen. Es geht darum, dass Sie sich reflektieren.“ So oder so ähnlich würden es wohl unsere Dozenten von uns erwarten. Und da ich als alteingesessene Lehramtsstudentin inzwischen Erfahrungen mit Reflexionen habe, habe ich genau das getan: reflektiert, warum man gute Vorsätze für das neue Jahr braucht.

Mmmh,… irgendwie glaube ich, dass der Jahreswechsel für die meisten Menschen ein Neuanfang bedeutet. Das Alte ist vorbei und etwas Neues beginnt. Deshalb müssen alte Gewohnheiten abgelegt und neue Wege eingeschlagen werden. Das klingt auch sehr vernünftig, aber mal ehrlich, bei wem funktioniert das auf diese Weise? Bei mir nicht. Meistens wache ich am 01. Januar auf und fühle und handle und denke noch genau wie am Tag zuvor. Festzustellen, dass man es schon wieder nicht geschafft hat, frustriert dann eher zusätzlich.

Vielleicht ist es auch einfach eine Ausrede, ein Vor-Sich-Herschieben dessen, was man längst abgelegt beziehungsweise angefangen haben sollte. „Nächstes Jahr mach ich  das besser.“ Mit dieser Aussage impliziert man jedoch gleichzeitig: „Aber jetzt noch nicht. Jetzt mach ich noch das, was ich immer gemacht habe.“ Warum? Weil man eigentlich gar nicht aufhören will. Weil man viel zu sehr an seinen schlechten Angewohnheiten hängt. Sonst könnte man sie auch sofort ablegen. Gleich heute, am Montag, dem 23.01.2017. Oder Morgen. Oder im Juni. Oder schon am 29. Dezember.

Als ich auf mein Jahr 2016 zurückgeblickt habe, habe ich voller Freude festgestellt, dass es einen riesen Berg an Veränderungen gab. Nichts davon hätte ich am 31.12.2015 in dieser Weise erwartet oder mir vorgenommen. Ich hab es einfach gemacht, als es an der Reihe war.

Wisst ihr was jetzt (logisch betrachtet) gerade an der Reihe wäre? Lernen. Hausarbeiten schreiben. Endlich anfangen, damit ich vorwärts komme. Stattdessen kümmere ich mich um andere Sachen. Aber ich weiß, dass der Moment kommen wird. Der Moment,  von welchem an ich fleißig sein werde. Selbst wenn es erst kurz vor knapp ist.

Das zu wissen ist wirklich beruhigend. Also macht euch keine Sorgen, falls das mit den Vorsätzen mal wieder nicht geklappt hat. Tief in eurem Innern wisst ihr, was anders laufen müsste. Ab einem bestimmten Punkt werdet ihr euch nicht mehr dazu zwingen müssen, etwas zu ändern. Der Gedanke tobt ja schon durch euren Kopf. Eines Tages könnt ihr ihm nicht mehr entkommen.

Einen guten Vorsatz sollte man also definitiv mit ins neue Jahr nehmen: keine Vorsätze für das neue Jahr. Einfach nur handeln, wenn es an der Reihe ist.

Es liegt nicht in meiner Absicht jemanden mit diesem Beitrag anzugreifen. Ich beneide jeden, für den Neujahrsvorsätze funktionieren. Für diejenigen unter uns, für die das nicht so ist (hier schließe ich mich mit ein), soll dieser Beitrag eine kleine Aufmunterung sein.

Weihnachtsmarkt, Glühwein und Co.

1 Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da.Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen.Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr.Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut.Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maße.Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan.Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt’s dem Speisemeister! Und sie brachten’s ihm. […]“ Joh 2,1-8f
Wie die Geschichte ausgeht, wissen wohl die meisten bereits. Anstatt der trinkwütigen Meute einen Strich durch die Rechnung zu machen und von nun an Wasser zu verteilen, verwandelt Jesus das Wasser in Wein. So eine Hochzeit war vor 2000 Jahren schon eine enorme Angelegenheit und Getränke gab es in Hülle und Fülle. Dass der Wein ausgegangen war, bedeutete also vermutlich, dass die Hochzeitsgäste tatsächlich über ihren Durst getrunken hatten.
Ähnlich wenig Zurückhaltung im Konsum alkoholischer Getränke legen Menschen im 21. Jahrhundert an den Tag – auch Theologiestudierende. Einen wunderbaren Anlass dazu bietet – alle Jahre wieder – der Weihnachtsmarkt. Die Bandbreite an Glühweinsorten ist beinahe grenzenlos. Von weiß, rosé und rot bis Apfel-Zimt- und Holunder-Ingwer-Glühwein ist alles dabei was das Herz begehrt.
Viele Studierende verbringen die Adventswochenenden mit ihren Familien, weshalb meine Kommillitonen und ich dem Weihnachtsmarkt werktags einen Besuch abstatteten. Zu schade, dass dieser unter der Woche schon relativ früh schließt. Kein Problem für uns: im Supermarkt haben wir uns noch mit allerlei geistvernebelnden Köstlichkeiten eingedeckt und in privaten Räumlichkeiten weiter-genossen.
Wie üblich wird bei solchen Aktionen auch immer der innere, philosophische Geist wachgeküsst. In unserem Fall war es wohl eher der theologische. Wir begannen über Religionen, Ethik und Wahrheit nachzudenken. Fragen zu Jesus, unseren theologischen Ansichten und unserem persönlichen Glauben standen nun im Raum. Glaubt es oder nicht, aber es hat mich tatsächlich überrascht und fasziniert, dass wir ausgerechnet an diesem Abend begannen über unsere tiefsten Überzeugungen nachzudenken.
Wer weiß, vielleicht ist Alkohol nicht immer nur ein Geistvernebler. Möglicherweise lüftet er auch manchmal den Schleier, der das Wesentliche in unserem Leben verdeckt.
Falls ihr also gerade noch im Vorweihnachtsstress seid, Geschenke besorgen müsst oder von einer Weihnachtsfeier auf die nächste hetzt, dann denkt daran:
Die Welt dreht sich auch weiter wenn nicht alles perfekt vorbereitet ist, wenn die Geschenke nicht so teuer sind wie im Vorjahr und wenn eine Weihnachtsfeier ausnahmsweise ohne euch stattfindet.
Joseph war sehr weit von Perfektion entfernt, als er mit seiner hochschwangeren Frau, nach einer strapaziösen Reise und ohne Aussicht auf Unterkunft in Bethlehem ankam. Vielleicht tragen wir das Erbe des ersten Weihnachtsfestes auch noch bis heute mit uns herum.
Die gute Nachricht ist: wir haben, im Gegensatz zu Maria und Josef, die freie Wahl. Nehmt euch als ruhig Zeit für einen Glühwein (oder zwei), genießt einen Abend mit euren Freunden und Familien. Reflektiert, philosophiert, diskutiert. Womöglich ist es die Gelegenheit die alles entscheidende Frage zu klären:
Warum feiere ICH Weihnachten!?

Nächstenliebe im Hochschulalltag

Wer die katholischen und evangelischen Dozierenden unserer Hochschule kennt, der weiß, wie engagiert sie sich für ihre Studierenden einsetzen. Das gilt natürlich auch für viele Dozierende anderer Fächer. Dennoch möchte ich nun über etwas berichten, das mir diese speziellen Menschen neu in Erinnerung gerufen haben.

Das Wort Nächstenliebe wird in unseren Kreisen ziemlich häufig gebraucht. Wer auch nur ein Mensch ist – so wie ich – dem ist klar, dass es nicht nur schwer, sondern beinahe unmöglich ist, jeden Menschen zu lieben. Vielleicht ist unser deutscher Wortschatz auch einfach zu begrenzt, sodass wir die Bedeutung von Nächstenliebe nur bedingt fassen können. Das allein macht die Umsetzung in der Realität oft schwierig.

In Markus 12,28ff lesen wir vom Doppelgebot der Liebe:

28 Einer der Schriftgelehrten hatte diesem Streitgespräch zugehört und gesehen, wie gut Jesus den Sadduzäern geantwortet hatte. Nun trat er näher und fragte ihn: »Welches ist das wichtigste von allen Geboten?« 29 Jesus antwortete: »Das wichtigste Gebot ist: ›Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der alleinige Herr. 30 Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe, mit deinem ganzen Verstand und mit aller deiner Kraft!‹ 31 An zweiter Stelle steht das Gebot: ›Liebe deine Mitmenschen wie dich selbst!‹ Kein Gebot ist wichtiger als diese beiden.«

Im griechischen Urtext findet man anstelle unseres Wortes „Liebe“ das Wort Agape. Um es mit einfachen Worten (aus Wikipedia und Wiktionary) auszudrücken: Agape ist die reine, selbstlose, uneigennützige und von Gott inspirierte Liebe.

Ein ziemlicher Knaller, wenn ihr mich fragt. Ich kann meine Freunde und Familie kaum in dieser Form lieben. Besonders bei Freunden ist die Liebe oft von Gegenseitigkeit abhängig. Wie genau soll ich das dann für Bekannte, Nachbarn oder völlig Fremde umsetzen?

Und genau an dieser Stelle fallen mir wieder unsere Dozierenden ein. Obwohl wir uns als Studierende häufig unangemessen verhalten, sei es durch Unaufmerksamkeit in den Seminaren, durch negative Gedanken oder Reden über sie oder andere respektlose Verhaltensweisen, beweisen sie uns immer wieder, Tag für Tag, Semester für Semester, die pure Nächstenliebe. Es könnte ihnen völlig egal sein, wie wir in den Prüfungen abschneiden. Sie könnten einfach einen Vortrag halten und dann wieder abziehen ohne auf unsere Fragen einzugehen. Stattdessen nehmen sie sich Zeit für uns, versuchen unsere Fragen zu beantworten, uns bei der Studienplanung zu helfen, beschenken uns mit Kleinigkeiten (nicht zur Erpressung, sondern um uns eine Freude zu machen), bieten sogar ihre Hilfe in anderen Bereichen des Studiums an (für die sie absolut nicht zuständig wären)… und das alles, ohne etwas zurückzubekommen.

Möglicherweise ist auch das noch nicht die reinste und selbstloseste Form der Agape. Wir werden sie in unserer emotionalen und physischen Begrenztheit auch nie erreichen. Aber schon der Fakt, dass es Menschen gibt, die einen Bruchteil dieser Liebe in sich tragen und an andere Menschen weitergeben, die sie eigentlich nicht näher kennen, lässt mich stark hoffen.

Warum mir das so wichtig ist? Der Studienalltag kann durchaus stressig sein. So schön wie das Studentenleben ist: Prüfungen, Abgabetermine und Leistungsnachweise können Studierende unter Umständen an Grenzen bringen. Diese gelebte Nächstenliebe ändert zwar nichts an den Umständen, sie kann aber die Ängste und den Stress in unseren Köpfen erträglicher machen.